stadt/rand/oktober

bunt fällt von den bäumen
noch einmal kurz
wirbelt das jahr
unter den spazierenden schritten
im park
den tödlichen ausgang
eines ehestreits
bekundet
eine weggeworfene zeitungsseite
etwas weiter
von einer grünen parkbank
fliehen rauchwolken einer zigarre
in den stadthimmel
ein großvater stützt sich
auf einen glattgeschliffenen holzstock
und zieht ein bein nach

Achim Wagner (*1967)


(©) beim Autor www.achimwagner.com

vor einer ankunft. Yerdermann Verlag, 2006

(Lyrikmail #158)

Lyrikmail #2345 Wagner

eine übernächtigte straße

und das unbefragte
orakel von labranda
(wir pflückten uns
heikle waben aus den pinien)
ich zeigte dir
die ins tal geschobenen ruinen
säulen richteten sich auf
ein karischer tempel
in dem wir uns streiften
von den schultern
bis zu den gleichzeitigen mündern
wie du offen
aus deinem kleid tratst
einen schritt
in unsere ionische trance

Achim Wagner (*1967)

vor einer ankunft

garip

zuerst wehte
ein leichter wind
von den docks her
das gehämmer
ich hörte
istanbul
ich erinnere mich
wie ich die welt
zum ersten mal sah
ayten
ich begann unaufhörlich
ein mädchen zu lieben
ich tauche
meine zigarette
zwischen den fingern
in das blau des bilds
vor meinen augen
ayten
ich ertappe eine straße
die stimmt ein lied an
ich höre
istanbul

(nach orhan veli)

Achim Wagner (*1967)


(Lyrikmail #1999)

Lyrikmail #1702 Wagner

Achim Wagner (*1967)

einfallslied

zithern. schnaufen die
alpen / in den roecken
// der doerfer
traute rauferei ///
gruene hackbretter
//// an den stolzen fueßen
der fluesse ///// innig //////
oder autonom ///////
schweben trauben
//////// wo das wetter
verschworen & erschlagen
///////// ein land aus
////////// kuhglocken.

(nach norbert c. kaser)