Ohne Rückhalt

Siehst du, nach tausend Zähren
Ein selig Lächeln mir
Das Angesicht verklären,
So gilt dieß Lächeln dir!

Und wenn mein Herz, mein wundes,
In banger Sehnsucht schwillt,
Bist du’s, dem meines Mundes
Tief inn’ger Seufzer gilt.

Betty Paoli (1814-1894)


 

Buchtipp: Neue Gedichte von Betty Paoli

(Lyrikmail #482)

Lyrikmail #2491 Paoli – Bewältigung

Bewältigung

Und weil ich einst in dunkelsel’ger Stunde
Dir weihte meines Lebens Lust und Gram,
Weil gottbegeistert ich von deinem Munde
Der Liebe süß bestrickend Wort vernahm,

Weil meine Brust an deiner hat gelegen,
Weil einst dein Haupt geruht in meinem Schooß,
Und weil als frommer, heil’ger Liebessegen
Auf deine Stirne meine Thräne floß;

Weil du verstanden meiner Pulse Beben,
Weil einst mein Kuß geglüht auf deiner Hand,
Weil ich ein Theil einst war von deinem Leben
Und weil du mich einst deine Braut genannt: –

So wird fortan in allen künft’gen Tagen
Hoch über allem Schmerz und aller Lust,
Dein Bild als ew’ge Pyramide ragen,
In der Sahara meiner tiefsten Brust.

Wohl oft verhilft der Zeit zu grausen Siegen
So manches Herz durch schnöden Selbstverrath;
Doch meines wird ihr nimmer unterliegen –
Es hat mehr Flammen, als sie Asche hat!

Wohl oft erstirbt an bittrer Nichterhörung
Die Liebesglut in einer Thräne Naß;
Doch meine lebt gesichert vor Zerstörung,
Denn noch viel stärker ist sie, als dein Haß!

Betty Paoli (1814-1894)

die Autorin: geb. am 30.12.1814 als Tochter eines ungarischen Adeligen u.einer Belgierin in Wien, eigentlich: Babette Elisabeth Glück, sie stammteaus ärmlichen Verhältnissen u. verdiente sich in jungen Jahren ihrenLebensunterhalt u.a. als Erzieherin in Russland u. Polen, 1832/33veröffentlichte sie erste Gedichte in Prager und Wiener Zeitungen,
sie war als Sprachlehrerin u. Übersetzerin (u.a. von Puschkin u.Turgenjew) tätig, von 1841-43 als Gesellschafterin im Hause des Philanthropen u. Schriftstellers Josef Wertheimer, wo sie u.a. AdalbertStifter, Franz Grillparzer u. Nikolaus Lenau kennenlernte, 1849-52 hieltsie sich im Ausland auf, sie lebte ab 1852 meist in Wien u. war Literatur- u. Kunstkritikerin des ‘Wiener Lloyd’ u. der “Österreichischen Zeitung’ in Wien u. betätigte sich auch als Burgtheater-Referentin, zusammen mit ihrer Freundin Ida von Fleischl war Paoli später kunstkritische Beraterin Marie von Ebner-Eschenbachs, von der sie gezielt gefördert wurde, Grillparzer nannte sie den “ersten Lyriker Österreichs”, sie starb am 5.7.1894 in Baden bei Wien.

Neue Gedichte

Lyrikmail #2448 Paoli – Die unbekannten Freunde

Die unbekannten Freunde

An Fürstin Caroline Wittgenstein.

Der Dichter wandelt einsam durch das Leben!
So ist es und so war’s zu allen Zeiten.
Entsagung nur darf ihm zur Seite schreiten,
Wenn holde Bande sich um And’re weben!

Doch ein Ersatz ist ihm dafür gegeben:
Daß Herzen ihm, in unbekannten Weiten,
Entgegen schlagen und wie Harfensaiten
Vom Hauche seiner Lieder sanft erbeben.

Und wurden solche Freunde dir zu Theil,
Betrachte sie als höchste Schicksalsspenden,
Die für kein flücht’ges Gut der Erde feil!

Zweifach gesegnet ist, der sie gewann!
Denn in dem stillen Gruß, den sie ihm senden,
Fängt auch bereits die Nachwelt für ihn an!

Betty Paoli (1814-1894)

die Autorin: geb. am 30.12.1814 als Tochter eines ungarischen Adeligen u. einer
Belgierin in Wien, eigentlich: Babette Elisabeth Glück, sie stammte aus ärmlichen Verhältnissen u. verdiente sich in jungen Jahren ihren Lebensunterhalt u.a. als Erzieherin in Russland u. Polen, 1832/33 veröffentlichte sie erste Gedichte in Prager und Wiener Zeitungen, sie war als Sprachlehrerin u. Übersetzerin (u.a. von Puschkin u. Turgenjew) tätig, von 1841-43 als Gesellschafterin im Hause des Philanthropen u. Schriftstellers Josef Wertheimer, wo sie u.a. Adalbert Stifter, Franz Grillparzer u. Nikolaus Lenau kennenlernte, 1849-52 hielt sie sich im Ausland auf, sie lebte ab 1852 meist in Wien u. war Literatur- u. Kunstkritikerin des ‘Wiener Lloyd’ u. der “Österreichischen Zeitung’ in Wien u. betätigte sich auch als Burgtheater-Referentin, zusammen mit ihrer Freundin Ida von Fleischl war Paoli später kunstkritische Beraterin Marie von Ebner-Eschenbachs, von der sie gezielt gefördert wurde, Grillparzer nannte sie den “ersten Lyriker Österreichs”,
sie starb am 5.7.1894 in Baden bei Wien.
 
Betty Paoli. Neue Gedichte.

Lyrikmail #2381 Paoli – Vorbei

Vorbei

Ich hoffte einst auf schöne Tage
Und lauschte mit erschloss’ner Brust
Der mährchenhaften Wundersage
Von ewig heitrer Liebeslust.
In jugendfrohem Uebermuthe
Glaubt’ ich von jedem Glück und Gute,
Daß es mir zugewiesen sei –
Es ist vorbei!

Und als der fromme Wahn entschwunden,
Da fleht’ ich, stolz auf meine Qual:
Bleibt ewig offen, meine Wunden,
Als unvergänglich Liebesmahl.
Und mußten Freud und Glück verwehen,
So soll mein heil’ger Schmerz bestehen,
Daß Eines doch unsterblich sei – –
Es ist vorbei!

Betty Paoli (1814-1894)

Lyrikmail #2288 Paoli – Täglicher Tod

Täglicher Tod

Wenn Mehlthau auf die Blume fiel,
Da sinkt sie ohne Hoffen,
Und ward ein Baum des Blitzes Ziel,
Stürzt er, zu Tod getroffen.

Und wenn in einer Menschenbrust
Erregt die Qualen werden,
Da ist ihr’s innig tief bewußt,
Daß Heilung nicht auf Erden.

Dem Baum, der Blume wird sofort
Bald stille Ruh’ gegeben,
Das Menschenherz allein lebt fort
Sein täglich sterbend’ Leben.

Betty Paoli (1814-1894)

Frauen dichten anders. 181 Gedichte mit Interpretationen