Lyrikmail #1960 Holz

 

An die Conventionellen

Ihr habt genug mein armes Hirn gebüttelt,

Ich käu nicht wieder wie das liebe Vieh;

Längst hab ich von den Schuhen ihn geschüttelt,

Den grauen Schulstaub eurer Poesie!

 

Ich hab mich umgesehn in meinem Volke

Und meiner Zeit bis tief ins Herz geschaut

Und nächtlich ist aus dunkler Wetterwolke

Ein heilig Feuer in mein Lied gethaut.

 

Nun ruf ich zu des Himmels goldnen Kronen:

Dreimal verflucht sei jegliche Dressur!

Zum Teufel eure kindischen Schablonen!

Ich bin ein Mensch, ich bin ein Stück Natur!

 

Arno Holz (1863-1929)

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  1. An die Gewohnten

    Ihr, ihr habt genügend meinen Darm gereizt, Ich bin nicht euer Hund, den ihr liebt, mit dem ihr Stöckchen spielt; Längst hab ich euch durchschaut. Von euren Mündern hab ich jedes Wort gepflückt, von euren Köpfen hab ich sie geschüttelt, die Sätze die aus euren Schädeln flossen. Sie waren eure Poesie!

    Ich hab mich bei Bekannten umgesehen in meinem Kreise
    Und hingesehen dort wo nie die Sonne schien. Und nichtmal einen Pfurz hat man mir stehen lassen…
    Nun sollst du auch erfahren, was ich im Denken sehe.

    Ich hatte längst gewählt als ihr noch eure Nasen plattgedrückt:

    Es ist zu spät für Jammern oder Schreien!
    Der Weg zurück er ist schon lang zerbrochen!
    Und jeder Mensch ist über sich hinaus verrückt.
    Ich bin ein Mensch nur, bin ein Stück von der Natur! Freude dir!

    Es ist dasselbe alles was wir spürten.
    Nur einmal kamen wir uns näher.
    Was einmal groß war, es ist wieder klein.

    Es wohnt in unserem Hause ein neuer Geist.
    Das Haus der Nacht es wurde abgerissen.
    Nun ist es hell und alles brennt.
    Wir können nichts mehr sehen und nicht darüber sprechen.

    Es täuscht uns das Naive. Weh mir, die Welt ist nun verkehrt. Allein sind wir Gewöhnliche

    Aachen, 2009-04-15

    ************************** Autoreninfo ***************************
    Manfred H. Freude geb. in Aachen
    Escapistenlyrik, Liebe, Tod, Das Leben, Erfahrungen, Aktuelles, Trauer & Verzweiflung, Wut, Sehnsucht, Klartext, Kritisches, Gedanken, Allgemein, Nachdenkliches, Gefühle
    © 2009 MANFRED H. FREUDE