Und sehr

Und–sehr . .
Ballade des äußeren Lebens

Nach Hugo von Hofmannsthal

Und Kinder wachsen mit sehr weißen Zähnen,
Die dann so gelb doch werden wie die Primeln,
Und alle gehen wir uns müd, und gähnen.

Und grüne Pflaumen hangen in den Himmeln,
Die blau wie tote Schwalben niederschlagen
Und sehr bekümmert liegen, und verschimmeln.

Und immer weht der Wind in unsern Tagen,
Und immer reden wir sehr viele Worte,
Und selten solche, die uns selbst behagen.

Und Wege laufen sehr umher, und Orte
Sind da und dort, und auch bemerkenswerte,
Von dieser sehr und auch von jener Sorte:

Und Formen sind auch manchmal, sehr verehrte,
Und wo sie sich zu einer Wölbung fügen,
Da scheint sehr nah, was ferne sich verwehrte..

Allein wozu? Sehr flüchtig ist ihr Trügen
Und sehr belanglos dies gesehen haben,
Da wir uns selbst nur sehr und meistens rügen.

Was frommt dies Spiel uns früh gebleichten Knaben,
Die einsam wir und so verschieden sind
Und gern uns mit uns selber nur begaben?

Wie könnten wir an allem dem genesen?
Und dennoch sagt sehr viel, der »Pleite« sagt,
Ein Wort, daraus Tiefsinn und Trauer rinnt

Wie stille Tropfen aus den hohlen Käsen.

Hanns von Gumppenberg (1866-1928)


Das Teutsche Dichterroß (TREDITION CLASSICS)

(Lyrikmail #385)

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